Page 13 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
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GESUNDHEITSPOLITIK



       „Durch den Telenotarzt kommt

        es zur spürbaren Entlastung der

        physischen Notärzte“





        Interview zum Pilotprojekt Telenotfallmedizin in Leipzig



        14.58 Uhr: 112 – ein Notruf geht in der
        Leitstelle ein . Die Schwester eines Pfle­
        geheims meldet: ein 79­jähriger Patient
        mit einem bekannten Diabetes mellitus
        habe einen Blutzucker von 21,8 mmol/l,
        der Hausarzt sei heute am Dienstag
        nicht mehr erreichbar und der KV­Arzt
        noch nicht zuständig . Man brauche da­
        her dringend ärztliche Unterstützung .

        Statt wie bisher einen Notarzt zu ent­
        senden, wird die diensthabende Tele­
        notärztin Dr . med . Julia Voigt hinzuge­
        zogen: Ruhig und strukturiert erhebt
        sie die relevanten Vitalparameter, Vigi­
        lanz und Medikation von der RTW­Be­                                                                     © SLÄK
        satzung . Der Patient ist stabil; es be­  Dr . med . Julia Voigt koordiniert als Telenotärztin die eingehenden Notrufe und leitet die Rettungsteams
        steht keine akute Lebensgefahr . Es   vor Ort fachlich an .
        folgen klare Anweisungen zur weiteren
        Versorgung sowie konkrete Kriterien  Nach fast sechsmonatiger Erprobung  genannte Duplizitätseinsätze heraus­
        für eine erneute Kontaktaufnahme .   zog die Ärztliche Geschäftsführerin der  fordernd, bei denen mehrere Einsätze
                                            Sächsischen Landesärztekammer, Dr .  gleichzeitig bearbeitet werden müssen .
        Der Fall zeigt, wie Telemedizin gezielt  med . Diana Becker­Rux, eine erste Bi­
        unterstützen kann – schnell, sicher und  lanz  im  Gespräch  mit  dem  ärztlichen  Wie  hat  sich  die  Verfügbarkeit  von
        ohne unnötige Bindung knapper Res­ Leiter des Rettungsdienstes, Dr . med .  Notärzten vor Ort in den ersten Mona-
        sourcen .                           Ralph Schröder .                    ten  konkret  verändert?  Gibt  es  erste
                                                                                Zahlen?
        Seit  Oktober  2025  erprobt  die  Stadt  Becker-Rux: Wie hoch ist die Auslas- Durch den Telenotarzt kommt es zu ei­
        Leipzig zunächst in 12­Stunden­Diens­ tung des Telenotarztes?           ner spürbaren Entlastung in der Ein­
        ten,  seit  Januar  2026  im  24­Stunden­ Schröder: Insgesamt haben die Telenot­ satzhäufigkeit der physischen Notärz­
        Betrieb, ein sachsenweit einmaliges  ärztinnen und Telenotärzte seit dem   te, diese Einsätze gingen um circa 36
        Pilotprojekt der Telenotfallmedizin . Das  1 . Oktober 2025 über 1 .300 Einsätze  Prozent zurück . In der Folge konnte ei­
        Projekt in Leipzig soll durch die tele­ absolviert . Die Auslastung des Telenot­ ne Verbesserung der Eintreffzeit von
        medizinische  Unterstützung  von  Ret­ arztes ist insbesondere seit Initiierung  physischen Notärzten im Stadtgebiet
        tungsteams, die engere Vernetzung mit  des Vollbetriebs Anfang Januar 2026  Leipzig festgestellt werden .
        der  Integrierten  Regionalleitstelle  so­ deutlich angestiegen . Aktuell fallen in  Da der Einsatz des Telenotarztes ins­
        wie die wissenschaftliche Begleitung  24 Stunden circa zwölf Einsätze an . He­ besondere  auf  die  Behandlungen  von
        eine schnellere, effizientere und pati­ rausfordernd ist dabei nicht die Anzahl  Patientinnen und Patienten mit einer
        entenorientierte präklinische Notfall­ der Einsätze an sich, sondern die Ein­ niedrigeren Erkrankungs­ und Verlet­
        versorgung ermöglichen .            satzverteilung .  Insbesondere  sind  so­ zungsschwere fokussiert, können die



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