Page 18 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
P. 18

GESUNDHEITSPOLITIK



        Fortbildung „Organisation in

        der Notaufnahme“ in Sachsen



        Einsatzfahrzeuge vor der Sächsischen Landesärztekammer – ein Großschadensereignis?


        Die zunehmend komplexe und interdis­
        ziplinäre klinische Notfallversorgung
        erfordert spezifische Fortbildungsmög­
        lichkeiten für in Notaufnahmen tätige
        Kolleginnen und Kollegen, um den ak­
        tuellen und kommenden Herausforde­
        rungen des Settings „Notaufnahme“
        gerecht werden zu können . Vor diesem
        Hintergrund wurde der Kurs „Organisa­
        tion in der Notaufnahme“ zwischen
        November  2024 und März  2025  zum                                  © SLÄK                              © SLÄK
        dritten Mal in Dresden durchgeführt .  Einsatzfahrzeuge vor der         Darstellerin des Teams
        Das Kursformat richtet sich an Ärztin­  Sächsischen Landesärztekammer   der Realistischen Unfalldarstellung
        nen und Ärzte mit Interesse an der
        Notfallmedizin, welche schon in Not­ und zugleich den Abschluss des Kurses .  tation, zu entwickeln . Die ärztlichen
        aufnahmen tätig sind oder zukünftig  Da  präklinisch  orientierte  Übungssze­ Teamleitungen waren sowohl für die
        sein werden . Ebenso angesprochen  narien häufig an der Tür der Notauf­ medizinische als auch organisatorische
        sind Physician Assistants, deren Auf­ nahme enden, wurde hier bewusst ein  Steuerung ihres Bereiches verantwort­
        gabenfeld diesen Bereich umfasst .  weiterführender Ansatz gewählt . Ne­ lich .  Die  Übungen  konnten durch  die
        Das Curriculum umfasst unter ande­ ben der Massensichtung sollten insbe­ Zusammenarbeit mit der Deutschen
        rem organisatorische Abläufe, struktu­ sondere der Übergang von individual­ Gesellschaft für Katastrophenmedizin
        relle Anforderungen  wie  Ersteinschät­ medizinischen zu katastrophenmedizi­ (DGKM)  e .  V .  sowie deren zahlreichen
        zung und Triage, Kommunikation, Per­ nischen Entscheidungsprozessen, die  Kooperationspartnern aus sächsischen
        sonalführung sowie rechtliche und be­ Anpassung  bestehender  Organisati­ Hilfsorganisationen äußerst realitäts­
        triebswirtschaftliche Aspekte . Darüber  onsstrukturen an die aktuelle Situation  nah gestaltet werden .
        hinaus werden Sondersituationen wie  sowie taktische Aspekte der klinischen  Über zwei Sichtungsrichter, betreut von
        der Massenanfall von Verletzten oder  innerhalb einer bereits ausgelasteten  Koordinatoren der DGKM, wurden in
        Erkrankten (MANV) sowie Szenarien  und zur weiteren Normalversorgung  20­minütigen Durchgängen jeweils
        der Katastrophenbewältigung themati­ offenen Notaufnahme trainiert werden .  rund 30 realistisch geschminkte und
        siert . Damit spiegelt der Kurs die große  Hierfür wurde im Erdgeschoss des Kam­ instruiert dargestellte Verletzte in das
        Bandbreite und Komplexität der orga­ mergebäudes  eine  simulierte  Notauf­ Szenario eingebracht .
        nisatorischen Anforderungen in Notauf­ nahme mit definierten Sichtungs­ und  Ziel der Eingangssichtung war es, die
        nahmen wider und betont die Schnitt­ Behandlungsbereichen eingerichtet .  Ergebnisse der Vorsichtung zu über­
        stelle  zwischen medizinischer Versor­ Nach einer theoretischen Einführung   prüfen und anhand eigener schneller
        gung und Managementaufgaben .       in präklinischer Vorsichtung, klinische  Einschätzungen zu aktualisieren . Zu­
        In einigen Landesärztekammern – der­ Sichtungsverfahren  und  organisatori­ dem wurden auch reguläre Notfallpati­
        zeit noch nicht in Sachsen – ist die Teil­ sche Anpassungsstrategien erfolgte  entinnen und ­patienten nach Massen­
        nahme an diesem Kurs deshalb bereits  die praktische Umsetzung in interpro­ sichtungskategorien triagiert und den
        Voraussetzung für die Zulassung zur  fessionellen Teams . In den Teams wur­ entsprechenden Behandlungsbereichen
        Prüfung der Zusatzweiterbildung „Kli­ den die Rollen rotierend gewechselt,  (rot, gelb, grün) zugewiesen . In diesen
        nische Akut­ und Notfallmedizin“ .  um ein umfassendes Verständnis für  Bereichen  erfolgten  unter  Priorisie­
        Nach vielfältigen theoretischen und  die interprofessionelle Zusammenar­ rungsgebot simulierte Sofortmaßnah­
        praktischen Lehrinhalten bildete eine  beit,  einschließlich Pflege, psychosozi­ men durch die Behandlungsteams . Die
        Großschadensübung den Höhepunkt  aler Notfallversorgung und Dokumen­ Herausforderungen bestanden in den


      18                                                                                         Ärzteblatt Sachsen  6|2026
   13   14   15   16   17   18   19   20   21   22   23