Page 8 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
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BERUFSPOLITIK




        ebenso viele zeigen einen riskanten Al­
        koholkonsum . Die Folgen gingen weit
        über gesundheitliche Schäden hinaus:
        Alkohol beeinträchtigt die Impulskont­
        rolle  erheblich  und spielt bei rund 20
        Prozent aller Straftaten eine Rolle . Da­
        mit wird deutlich, dass Suchtmittelkon­
        sum nicht nur ein individuelles, sondern
        auch ein gesellschaftliches Problem ist .
        Dies berichtete Prof . Dr . med . Norbert
        Scherbaum, Landschaftsverband Rhein­
        land (LVR)­Klinik für Psychiatrie und                                                                   © Christian Glawe Griebel  Helliwood
        Psychotherapie, auf dem 130 . Deut­
        schen Ärztetag .
        Noch gravierender sind die Folgen des
        Nikotinkonsums, der mit etwa 100 Mil­  Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, und Christine Neumann­Grutzeck,
                                            beide Vorsitzende der Kommission Sucht und Drogen, auf der Pressekonferenz der Bundesärztekammer .
        liarden  Euro  zu  Buche  schlägt .  Hinzu
        kommt eine oft unterschätzte Gruppe:  nachvollziehbar dem Gesundheitsschutz  Opioide und synthetische Drogen
        1,5 bis 1,9 Millionen Menschen sind ab­ dienen . Denn die Zahlen zeigen klar:  Parallel nimmt die Bedeutung synthe­
        hängig von Medikamenten – eine Prob­ Ohne wirksame Prävention und klare  tischer Drogen zu . Fachberichte zeigen,
        lematik, die schwer zu erfassen ist, da  Regeln bleiben  die gesellschaftlichen  dass der erschwerte Zugang zu Opium
        sie häufig nicht eindeutig diagnostiziert  und gesundheitlichen Folgen des Dro­ und Heroin den Markt für gefährliche
        werden kann .                       genkonsums weiterhin erheblich .    Ersatzstoffe wie Fentanyl und andere
        Die Ursachen für Suchtmittelkonsum                                      synthetische Opioide verändert hat .
        sind  vielfältig,  doch  einige  Faktoren  Sucht ist kein Randthema     Gerade diese Stoffe sind hochpotent
        stechen besonders hervor: die hohe  Dr . med . Katharina Schoett vom Hainich  und erhöhen das Risiko von Überdosie­
        Verfügbarkeit von Substanzen zu ver­ Klinikum Mühlhausen sagte: „Sucht be­ rungen deutlich .
        gleichsweise niedrigen Preisen – insbe­ trifft nicht nur einen kleinen Kreis von  Fentanyl­Pflaster werden missbräuch­
        sondere bei Alkohol – sowie eine ge­ Betroffenen, sondern ist ein medizini­ lich auf verschiedene Weise verwendet,
        sellschaftliche Trinkkultur, die Konsum  sches Querschnittsthema . Hinter vie­ etwa durch Auskochen, Kauen oder das
        normalisiert oder sogar fördert . Wer­ len Erkrankungen, wiederholten Kran­ Aufbringen auf Schleimhäute, um den
        bung verstärkt diesen Effekt zusätzlich,  kenhausaufenthalten und sozialen Kri­ Wirkstoff schneller aufzunehmen . Auch
        indem sie Alkohol und andere Produkte  sen  kann  eine  unbehandelte  Sucht  der Zugriff über weggeworfene Pflaster
        positiv auflädt und verharmlost . Um  stehen . Auch deshalb sollte Suchtme­ oder „Doctorhopping“ wird beschrieben .
        wirksam  gegenzusteuern, braucht  es  dizin in der ärztlichen Fort­ und Weiter­ Das  zeigt,  wie  wichtig  sichere  Entsor­
        ein Bündel an Maßnahmen . Die Welt­ bildung und im Medizinstudium deut­ gung, Aufklärung und ein wachsamer
        gesundheitsorganisation  (WHO)  emp­ lich stärker verankert werden .“   Umgang mit BtM­Verordnungen sind .
        fiehlt mit der sogenannten SAFER­Stra­                                  Der illegale Drogenhandel verlagert
        tegie vor allem verhältnispräventive  Alkohol bleibt weltweit eine der töd­ sich zunehmend in digitale Räume . Er­
        Ansätze: also Eingriffe in Rahmenbe­ lichsten legalen Drogen . Nach WHO­ mittlungsberichte und Medienrecher­
        dingungen wie Preisgestaltung, Ver­ Angaben stirbt etwa alle zwölf Sekun­ chen zeigen, dass Darknet, Messenger­
        fügbarkeit und Werbung .  Ergänzend  den ein Mensch an den Folgen von Al­ Dienste wie Telegram und andere ge­
        dazu sind verhaltenspräventive Maß­ koholkonsum; in Deutschland gibt es  schlossene Kanäle zu wichtigen Ver­
        nahmen  wichtig,  etwa  Aufklärung,  aller zehn Minuten alkoholbedingte  triebswegen geworden sind . Hinzu
        Frühintervention und Therapieangebo­ Todesfälle . Die Formulierung „niemand  kommen neue Beschaffungswege über
        te für Betroffene .                 will süchtig werden“ trifft den Kern: Ab­ Einzelrezepte, private Kontakte und
        Entscheidend ist dabei: Die Bevölke­ hängigkeit entsteht meist nicht aus  leicht verfügbare Benzodiazepine oder
        rung steht vielen dieser Maßnahmen  Vorsatz, sondern aus einer Mischung  Opioide aus dem medizinischen Alltag .
        offen gegenüber . Es gibt eine Mehrheit  aus Verfügbarkeit, Belastung, Gewöh­ Die Zahl der Drogentoten steigt, und
        für strengere Regelungen, wenn sie  nung und fehlender früher Hilfe .   Expertinnen und Experten warnen vor


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