Page 6 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
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BERUFSPOLITIK



        130. Deutscher Ärztetag, Hannover 2026




        Echte Gesundheitsreform             Refinanzierung von Tarifsteigerungen  weitere Gesetze vorlegen . Weiterhin
        statt Spargesetz                    in Krankenhäusern sowie das ver­ geplant seien zum Beispiel die Notfall­
        Zum Auftakt des 130 . Deutschen Ärz­ pflichtende Zweitmeinungsverfahren  reform sowie das Primärversorgungs­
        tetages in Hannover kritisierte der Prä­ stießen in der Praxis auf erhebliche Be­ system . Insbesondere müsse das The­
          sident der Bundesärztekammer (BÄK),  denken .  Reinhardt  forderte  die Bun­ ma Prävention gestärkt werden .
        Dr .  med .  Klaus Reinhardt,  das finanz­ desregierung  auf,  den  Reformprozess
        politische Vorgehen der Bundesregie­ neu aufzusetzen und gemeinsam mit  Zivil-Militärische Zusammenarbeit
        rung scharf . Er bezeichnete es als „einen  den Akteuren der Versorgung tragfähi­ In der Aussprache zu den Leitanträgen
        Affront“ für Versicherte und Beschäf­ ge Lösungen zu entwickeln .       des Vorstandes der Bundesärztekam­
        tigte im Gesundheitswesen, wenn der                                     mer wurde ausführlich über die Zivil­
        Bundesfinanzminister keinerlei Bereit­ Finanzielle Stabilisierung       Militärische Zusammenarbeit diskutiert .
        schaft erkennen lasse, die Gesetzliche  nur erster Schritt              Gefordert wurde eine passende Defini­
        Krankenversicherung (GKV) von milliar­ Bundesgesundheitsministerin Nina War­ tion der Zusammenarbeit sowie die
        denschweren Belastungen durch versi­ ken verteidigte ihr Sparpaket zur Ent­ grundsätzliche Verpflichtung zum Frie­
        cherungsfremde Leistungen zu befrei­ lastung der Krankenkassen . Künftig  den . Jedoch sei die Vorbereitung des
        en .  Stattdessen  entziehe  der  Bund  könne in der gesetzlichen Krankenver­ zivilen Gesundheitsbereiches auf mili­
        dem System weitere Mittel und ver­ sicherung (GKV) nur das Geld ausgege­ tärische Krisenszenarien wichtig . Man
        schärfe so die ohnehin angespannte  ben werden, das auch tatsächlich vor­ müsse einerseits vorbeugend handeln
        Finanzlage zusätzlich . Zudem kritisier­ handen sei, sagte die Ministerin in  und andererseits alles für den Frieden
        te er eine Haushaltskonsolidierung zu­ Hannover . Deshalb gehe es bei der  tun . Würde man umgekehrt vorgehen,
        lasten der Versicherten durch die ge­ nachhaltigen finanziellen Stabilisierung  könnte das Gesundheitssystem auf
        plante Re duzierung des Gesundheits­ des Gesundheitssystems um nicht we­ Kriegslagen nicht kurzfristig reagieren .

        fonds . Der BÄK­Präsident unterstrich,  niger als dessen Zukunft, betonte die  Dieser Argumentation schloss sich die
        dass Einnahmen und Ausgaben der  Ministerin . Wenn die Ausgaben weiter  Mehrheit der Delegierten an .
        GKV wieder in ein ausgewogenes Ver­ stiegen wie bisher, würde das System
        hältnis gebracht werden müssten . Im  kollabieren . Lohnnebenkosten und Bei­ Ein zweiter Schwerpunkt galt dem Kli­
        Zuge des GKV­Beitragssatzstabilisie­ tragssätze, die stabil sind, seien dafür  mawandel .  Auch  hier  wurde  die  Not­
        rungsgesetzes werde jedoch von man­ von entscheidender Bedeutung . Laut  wendigkeit betont, dass die Ärzteschaft
        chem der Eindruck erweckt, diese Aus­ aktueller Prognosen fehlen den Kran­ aktiv an Hitzeschutzkonzepten und
        sage sei gleichbedeutend mit einer Bin­ kenkassen allein im nächsten Jahr rund
        dung aller GKV­Ausgaben an die Ent­ 15 Milliarden Euro . Ohne eine Reform
        wicklung der Grundlohnrate . Wer ernst­ müssten diese von den Beitragszah­
        haft an einer finanzierbaren, solidari­ lern und den Arbeitgebern aufgebracht
        schen Gesundheitsversorgung interes­ werden . Dies hätte eine Erhöhung der
        siert sei, müsse Einnahmen wie Ausga­ Krankenversicherungsbeiträge um fast
        ben gleichermaßen in den Blick neh­ 20 Prozent zur Folge – das ist keine Op­
        men, so Reinhardt .                 tion für die Bundesregierung . Zuwäch­
        Im Beisein von Bundesgesundheits­ se würden an die Entwicklung der Ein­
        ministerin Nina Warken äußerte sich  nahmen gekoppelt, so Warken . Dabei
        Reinhardt kritisch zu zentralen Maß­ werden nicht nur medizinische Leistun­
        nahmen des aktuellen Gesetzentwurfs .  gen geprüft, sondern es sollen auch die
        So sei es widersprüchlich, bewährte  Sondervergütungen gestrichen werden,
        Instrumente wie offene Sprechstunden  die zu keiner Verbesserung der Versor­                            © Christian Glawe Griebel  Helliwood
        und zentrale Terminvergabesysteme  gung geführt haben .
        zwar beizubehalten, ihnen zugleich aber  Das Sparpaket sei aber nur ein erster
        die finanzielle Grundlage zu entziehen .  Schritt, weitere Maßnahmen müssten
        Auch die geplanten Änderungen bei der  folgen . Man werde noch in diesem Jahr   Bundesgesundheitsministerin Nina War ken


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