Page 23 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
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GESUNDHEITSPOLITIK




        Etwa 90 Prozent aller Verletzungen, die  nen führt . Diese bleiben unter Umstän­ •  Medizinische Kinderschutzhotline –
        insgesamt durch häusliche Gewalt ent­ den auch noch unbehandelt, da keine    bundesweit, rund um die Uhr
        stehen, betreffen den Kopf­, Hals­ und  regelmäßigen Zahnarztbesuche statt­  erreichbar: 0800 19 210 00
        Gesichtsbereich . Die häufigsten Verlet­ finden .                       Bei Verdacht auf eine akute Gefähr­
        zungen sind dabei Zahntraumata wie                                      dung sollte die Problematik – sofern der
        Zahnrisse,  ­brüche und Absplitterun­ Auf Folgendes sollten Ärzte beim Vor­ Schutz des Kindes dadurch nicht beein­
        gen, Riss des Oberlippenbändchens,  liegen multipler kariöser Läsionen achten:  trächtigt wird – offen angesprochen
        Verletzungen der Oberlippe sowie Kie­ •  Gibt es bereits versorgte kariöse   werden, um regionale Hilfen vermitteln
        ferfrakturen . Bei Kindern sind zusätz­  Läsionen oder ist das Kind vollständig   zu können . Diese Hilfsangebote können
        lich häufig Ohren und Wange betroffen .   unversorgt? Gibt es akute Entzün­  Sie im Vorfeld mit Ihrem zuständigen
                                              dungen, gegebenenfalls mehrfach?  Jugendamt,  den  Frühen  Hilfen  oder
        Darauf sollte man beim Vorliegen eines  •  Gibt es einen Hauszahnarzt, der   dem präventiven Kinderschutz heraus­
        Traumas achten:                       regelmäßig aufgesucht wird oder   arbeiten beziehungsweise erfragen
        •  Passen Anamnese und Befund bei     fanden bisher nur Notfallbehand­  (Kontaktdaten ebenfalls über die „rote
          einer Verletzung im orofacialen     lungen statt?                     Sachsenkarte“ verfügbar) .
          Bereich zusammen oder gibt es                                         Liegt eine akute Gefährdung oder die
          Zweifel an der Geschichte der Eltern   Eine Überweisung zum Zahnarzt sollte  Zustimmung der Sorgeberechtigten vor,
          zur Entstehung der Verletzung?    umgehend erfolgen . Der Zahnarzt muss  ist die Kontaktaufnahme zum Jugend­
        •  Gibt es andere sichtbare Verletzun­  dann entsprechend abschätzen, ob die  amt dringend zu empfehlen . Eine Anzei­
          gen, zum Beispiel Hämatome        Mundhygienesituation durch Informa­  ge bei der Polizei kann ergänzend erfol­
          unterschiedlichen Alters oder     tion und Training verbessert werden  gen, sollte jedoch die Ausnahme bleiben .
          Abwehrverletzungen?               kann und ob die Eltern die notwendige  Langfristig ist eine Einbindung von
        •  Toleriert das Kind eine intraorale   Therapie zulassen und unterstützen .  Zahn­ und Humanmedizin in regionale
          Inspektion und Untersuchung?      Sofern keine weiteren allgemeinen An­ Netzwerke des Kinderschutzes und ein
          Besteht ein der Untersuchung nicht   zeichen einer Vernachlässigung vorlie­ persönliches Kennenlernen der rele­
          angemessener Würgereiz?           gen, wie Unterernährung, Entwicklungs­ vanten Akteure sehr zu empfehlen .
        •  Reagiert das Kind ängstlich gegen­  rückstände, ungenügende Körperhygi­
          über der Begleitperson oder liegen   ene und inadäquate Bekleidung, wären  Zahn- und Humanmedizin im Dialog –
          psychische Auffälligkeiten vor?   neben der zahnärztlichen Behandlung  Medizinischer Kinderschutz
                                            keine weiteren Maßnahmen notwendig . Wann: Mittwoch, 16 . September 2026,
        Unterstützung zum Thema Häusliche  Als vertiefendes Arbeitsmaterial emp­ Beginn 18 Uhr
        Gewalt bietet der Flyer „Häusliche Ge­ fiehlt sich die Kitteltaschenkarte der  Wo: Sächsische Landesärztekammer
        walt“ der Landeszahnärztekammer  DGKIM zur dentalen Vernachlässigung  Schützenhöhe 16, 01099 Dresden
        Sachsen mit einer Notfallkarte für den  (www .dgkim .de) .              3 Fortbildungspunkte
        Patienten/Elternteil unter  www .zahn­                                  Anmeldung unter:
        aerzte­in­sachsen .de ➝ Kompendium ➝  Handlungsempfehlungen             https://veranstaltungen .slaek .de ■
        Häusliche Gewalt (PDF) sowie durch die  Die Behandlung akuter Verletzungen
                                                                                          Materialschau und Literatur unter
        Checklisten und den Befundbogen der  hat  immer  Priorität .  Bei  weniger  gra­  www .slaek .de/aerzteblatt­sachsen
        Bundeszahnärztekammer unter www . vierenden Befunden kann ein beobach­
        bzaek .de ➝ Recht ➝ Häusliche Gewalt   tendes, schrittweises Vorgehen sinn­
                                            voll sein .
        Kindeswohlgefährdung in Form von  Sie haben das Recht, sich pseudonymi­
        Vernachlässigung ist das Unterlassen  siert  durch  eine  insoweit  erfahrene
        von  notwendigen  Maßnahmen  zur  Fachkraft beraten zu lassen:
                                                                                            Dr . med . dent . Christine Langer
        Pflege und zum Schutz der Kinder . In  •  Fachkräftelisten („rote Sachsenkarte“)   Fachpraxis für Kieferorthopädie
        der Zahnmedizin besteht die „dentale   unter www .kinderschutzmedizin­                 Referentin für Prävention,
        Vernachlässigung“ im Unterlassen ad­  sachsen .de                                Landeszahnärztekammer Sachsen
        äquater Mundhygienemaßnahmen bei  •  Angebote des Öffentlichen Gesund­                         Daniela Eckert
        gleichzeitigem hohen Kohlehydratkon­  heitsdienstes (in einigen Regionen    Landeskoordinierungsstelle Medizinischer
        sum, was zu multiplen kariösen Läsio­  verfügbar)                        Kinderschutz, Sächsische Landesärztekammer



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