Page 37 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
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LESERBRIEFE



       Topisches Capsaicin zur Behandlung

        der Post-Zoster-Neuralgie



        Leserbrief zur Falldarstellung im „Ärzteblatt Sachsen“, Heft 4/2026, Seite 22 ff.


        Aus Falldarstellungen lässt sich Vieles  brauch, immunsuppressiver Status und  begrenzte Bioverfügbarkeit und ist der
        für die täglich Praxis lernen . Insbeson­ Begleiterkrankungen wie Diabetes  intravenösen Gabe deutlich unterlegen,
        dere deshalb, weil Fallberichte nah am  mellitus, chronisch obstruktive Lun­ bei unkompliziertem Verlauf aber zu
        klinischen Alltag sind und es um indivi­ generkrankung (COPD), Bluthochdruck,  bevorzugen . Als Alternative in der ora­
        duelle Schicksale dabei geht . Deshalb  bösartige Tumore oder chronische Nie­ len Behandlung steht Brivudin (125 mg
        ein Dankeschön an den Autor, Dr . Ste­ renerkrankungen  sowie  eine  hohe  Vi­ einmal  täglich)  zur  Verfügung .  Eine
        phan Scheike . Der Fokus seiner Dar­ ruslast wurden als unabhängige Risiko­ frühzeitige systemische antivirale The­
        stellung liegt auf der medikamentö ­ faktoren identifiziert [2, 3] . Dem Leser  rapie reduziert das Risiko einer post­
        sen Behandlung der post­zosterischen  stehen keine detaillierten Angaben zu  zosterischen Neuralgie [5] .
        Neuralgie mittel Capsaicin­Pflaster [1] .  Vorerkrankungen zur Verfügung, doch  Die Behandlung der post­zosterischen
        Ich möchte jedoch auf einen scheinba­ das höhere Lebensalter (71 Jahre) und  Neuralgie mit Capsaicin­Pflaster ist ei­
        ren Nebenaspekt des Fallberichtes ein­ eine Ausbreitung über drei Dermatome  ne effektive Methode . Mit frühzeitiger
        gehen . In der Publikation heißt es: „Es  sind belegt .                 Einleitung der leitliniengerechten anti­
        wird berichtet über eine 71-jährige Pati- Laut S2K­Leitlinie „Diagnostik und The­ viralen Sytemtherapie hätte das Risiko
        entin, welche sich im September 2024  rapie  des  Zoster  und  der  Postzoster­ für die H . zoster­Komplikation jedoch

        mit Schmerzen im Bereich der Nacken-  neuralgie“ ist eine systemische antivi­ deutlich reduziert werden können [6] . ■
        und Halsregion sowie im Dekolleté links- rale einzuleiten bei:                                 Literatur unter
        seitig und der linken Schulter hausärztlich  •  Zoster lokalisationsunabhängig bei   www .slaek .de/aerzteblatt­sachsen
        vorstellt. Im Rahmen der klinischen Unter-  Patienten > 50 Jahre,
        suchung zeigten sich in den Dermatomen  •  Zoster im Kopf­Hals­Bereich,     Prof . Dr . med . habil . Uwe Wollina, Dresden
        C3-Th2 Herpes Zostertypische Hautefflo- •  Zoster lokalisationsunabhängig mit
        reszenzen. Es erfolgte zunächst eine me-  assoziiertem mittelschwerem bis   Antwort
        dikamentöse  Schmerztherapie mit Ibu-  schwerem Schmerz,                Sehr geehrter Herr Prof . Wollina,
        profen  sowie  eine  topische  Behandlung  •  hämorrhagischen oder nekrotischen   Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass
        mit Zink-Salbe.  Eine systemische antivi-  Läsionen,                    solche Fallberichte die Realität und die
        rale Therapie wurde nicht durchgeführt.“  •  multisegmentalem Befall,   Herausforderungen  der  Patientinnen
        (Hervorhebungen durch den Autor) .  •  aberrierenden Bläschen/          und Patienten realitätsnah darstellen .
        Es  ist  schon  verwunderlich,  dass  bei    Satellitenläsionen,        Danke  auch  für  die  Bemerkungen  zu
          Diagnosestellung einer frischen Infek­ •  mukokutanem Befall,        Akut­Behandlung,  potenziellen  Risiko­
        tion mit Herpes zoster (Bläschen vor­ •  Zoster bei immunsupprimierten   faktoren und Begleiterkrankungen  für
        handen, kurze Anamnese) durch den     Patienten,                        die Entstehung der post­zosterischen­
        erstbehandelnden Hausarzt auf eine  •  Zoster bei Patienten mit prädispo­  Neuralgie . Es ist ein Asthma bronchiale
        antivirale Therapie komplett verzichtet   nierenden Hauterkrankungen    bekannt . Ansonsten lagen außer den
        wurde . Zink­Salbe ist nicht als topische    (zum Beispiel atopische Dermatitis),  im Fallbericht geschilderten, keine wei­
        Therapie des H . zoster anzusehen, al­ •  Zoster bei Kindern und Jugendlichen   teren bisher identifizierten Risikofakto­
        lenfalls werden hierdurch die Bläschen   unter Langzeittherapie mit     ren  (prodromale  Schmerzsymptome,
        zum Eintrocknen gebracht, die Infekti­   topischen Steroiden [4] .      Rauchen, Alkoholmissbrauch, immun­
        on selbst wird hierdurch nicht beein­ Optimal  ist  es,  die  antivirale Behand­ suppressiver Status und Begleiterkran­
        flusst .                            lung ist innerhalb der ersten 72 Stun­ kungen wie Diabetes mellitus, chronisch
        Welche Risikofaktoren sind für die  den einzuleiten . Die Erstlinientherapie  obstruk tive Lungenerkrankung [COPD],
        post­zosterische Neuralgie bekannt?  besteht in der Gabe von Aciclovir . Die  Bluthochdruck, bösartige Tumore oder
        Ein Alter ≥60 Jahre, ausgeprägte Haut­ perorale Dosierung bei Erwachsenen  chronische Nierenerkrankungen) bei
        veränderungen, prodromale Schmerz­ sollte fünf mal 800mg/Tag betragen .  der beschriebenen Patientin vor .
        symptome,   Rauchen,   Alkoholmiss­ Die  orale Applikation  erzielt  nur eine     Dr . med . Stephan Scheike, Leipzig



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