Page 35 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
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ORIGINALIE
rischen Überschuss ausgelöst wird und
Stoffwechsel, Gefäßfunktion und kardi
ales Remodeling miteinander verknüpft .
Aktivierte Makrophagen und TZellen
sowie NFκB und JNKSignalwege stö
ren die Insulinsignalübertragung über
die IRS/PI3K/AKTAchse und fördern
gleichzeitig endotheliale Dysfunktion
und fibrotische Prozesse . Proinflamm
atorische Zytokine wie IL6 und IL1β
sowie Chemokine verstärken die Rek
rutierung weiterer Immunzellen und
koppeln metabolische Dysregulation an
strukturelle Organveränderungen .
Diese Prozesse sind ausgeprägt ge
schlechtsabhängig . Männliche Organis
men zeigen unter hochfettreicher Er
nährung eine stärkere Akkumulation
CD11cpositiver Makrophagen und den Abb . 2: Geschlechtsspezifische protektive Mechanismen bei Frauen .
dritischer Zellen sowie eine erhöhte Östrogene wirken über Estrogenrezeptoren (ERα/ERβ) und modulieren zentrale Signalachsen, darunter
Expression von TLR4 und CD14 . Ent das ReninAngiotensinSystem (RAS; ACE = AngiotensinConvertingEnzyme, Ang II = Angiotensin II,
AT1R/AT2R = AngiotensinRezeptoren Typ 1/2), die mitochondriale Funktion sowie immunmetabolische
sprechend produzieren männliche Ma Signalwege (u .a . NFKB/JNK) . Dies führt zu verminderter proinflammatorischer Aktivierung, reduzierter
krophagen nach Stimulation höhere oxidativer Stressbelastung und abgeschwächtem fibrotischem Remodeling . Funktionell resultieren daraus
eine verbesserte Insulinsensitivität, geringere Fibrose und eine erhaltene diastolische Funktion .
Mengen an IL6, IL1β und IP10 . Weib
liche Systeme weisen demgegenüber krovaskuläre Dysfunktion im Vorder pEF, Männer häufiger HFrEF, was be
häufiger antiinflammatorische und ge grund; entsprechend reichen konventi reits auf unterschiedliche pathophysio
webereparative Prozesse auf, ein onelle Koronarangiographie und klassi logische Zielstrukturen hinweist [25, 15,
schließlich effizienterer Lipidstoffwech sche Symptomkonstellationen oft nicht 16] . Hinzu kommen Unterschiede in
sel und begrenzter Immunzellinfiltra aus [12, 13] . Neben der Echokardiogra Therapieansprechen und Nebenwir
tion . phie als Basisdiagnostik gewinnen da kungsprofilen: Frauen berichten unter
Damit fungiert die Inflammation als in her funktionelle und phänotypische Metformin und GLP1Rezeptorago nis
tegrativer Mechanismus, der hormo Marker an Bedeutung, darunter linksa ten häufiger gastrointestinale Neben
nelle Signale, metabolische Prozesse triale Dilatation, diastolische Dysfunk wirkungen, während Männer zum Teil
und strukturelle Veränderungen im tion, koronare Flussreserve sowie ge stärkere HbA1cSenkungen zeigen [32–
Herzen zusammenführt und wesent schlechtsspezifische Biomarkerprofile . 35] . SGLT2Inhibitoren weisen eine ver
lich zur geschlechtsspezifischen Aus NTproBNP ist bei Frauen höher, hs gleichbare Wirksamkeit, aber unter
prägung kardiometabolischer Erkran cTnT bei Männern häufiger erhöht; sex schiedliche Nebenwirkungsmuster auf
kungen beiträgt [26, 27] (Abb . 2) . spezifische Grenzwerte könnten hier [36, 37] . Perspektivisch spricht dies
die diagnostische Treffsicherheit ver für eine stärker phänotyp und ge
Diagnostische und bessern [28–31] . Auch weiterführende schlechtsspezifische Diagnostik und
therapeutische Implikationen Verfahren wie StrainAnalysen, kardia Therapie kardiometabolischer Erkran
Geschlechtsspezifische Unterschiede le MRT und die Quantifizierung von epi kungen . ■
sollten sich nicht nur in der Beschrei kardialem Fett oder myokardialem Tri Literatur unter
bung kardiometabolischer Erkrankun glyzeridgehalt könnten helfen, ge www .slaek .de/aerzteblattsachsen
gen, sondern auch in der Diagnostik schlechtsspezifische kardiale Phänoty Prof . Dr . Irakli Kopaliani
widerspiegeln . Bei Frauen mit ischämi pen früher zu erfassen [14–16] . Institut für Physiologie
Medizinische Fakultät der
scher Symptomatik stehen häufiger Auch therapeutisch sind geschlechts Technischen Universität Dresden
atypische Beschwerden, nichtobstruk spezifische Unterschiede klinisch rele Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
tive koronare Veränderungen und mi vant . Frauen entwickeln häufiger HF EMail: irakli .kopaliani@tudresden .de
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