Page 33 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
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ORIGINALIE
Frauen und Männer im Vergleich:
Geschlechtsspezifische Aspekte
kardiometabolischer Erkrankungen
I . Kopaliani Frauen zunimmt [1] . Diese Verschie Dysfunktion auf, während bei Männern
bung spiegelt hormonelle Einflüsse auf obstruktive Formen dominieren [12, 13] .
Einleitung Gefäßsteifigkeit, renale Natriumregula Entsprechend wird die Prognose bei
Kardiometabolische Erkrankungen um tion und neurohumorale Aktivierung Männern stärker durch das Ausmaß
fassen eng miteinander verbundene wider . Adipositas verstärkt diese Me der Koronarstenosen bestimmt, bei
Störungen, insbesondere Adipositas und chanismen und erhöht das Hypertonie Frauen hingegen durch die koronare
Typ2Diabetes, die mit kardiovaskulä risiko deutlich [2, 3] . Flussreserve [14] .
ren Komplikationen assoziiert sind .* Adi
positasbedingte Risikofaktoren bün Adipositas Herzinsuffizienz
deln sich in Hypertonie, gestörter Glu Adipositas zeigt nicht nur Unterschiede Auch die Herzinsuffizienz zeigt ausge
koseregulation und Dyslipidämie und in der Prävalenz, sondern vor allem in prägte geschlechtsspezifische Phäno
werden als Metabolisches Syndrom der Fettverteilung . Während Frauen typen . Frauen entwickeln häufiger eine
bezeichnet . Diese Faktoren fördern Er bevorzugt subkutanes Fett speichern, Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejek
krankungen wie koronare Herzkrank entwickeln Männer häufiger viszerale tionsfraktion (HFpEF), Männer eine
heit, Herzinsuffizienz und Vorhofflim Adipositas [4–7] . Viszerales Fett wirkt Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejekti
mern . als metabolisch aktives Organ, fördert onsfraktion (HFrEF) . Diese Unterschie
Risikofaktoren und Krankheitspräva inflammatorische Prozesse und trägt de sind eng mit divergierenden Mecha
lenz zeigen ausgeprägte geschlechts wesentlich zur Entwicklung von Insu nismen verknüpft, insbesondere mit
spezifische Unterschiede . Sexualhor linresistenz, Hypertonie und metaboli metabolischer Dysfunktion, Inflamma
mone, Genexpression und deren Ein schem Syndrom bei . tion und strukturellem Remodeling .
fluss auf Stoffwechsel, Immunsystem Myokardiale Lipidakkumulation und
und Herzfunktion gelten als zentrale Diabetes epikardiales Fett spielen hierbei eine
Determinanten, während das tiefe me Beim Typ2Diabetes bestehen ge zentrale Rolle und verbinden kardiome
chanistische Verständnis weiterhin be schlechtsspezifische Unterschiede ins tabolische Risikofaktoren mit diastoli
grenzt ist . besondere in der kardiovaskulären Kon scher Dysfunktion [15, 16] (Abb . 1) .
sequenz . Der protektive Effekt des
Geschlechtsunterschiede bei weiblichen Geschlechts geht mit Auf Mechanismen geschlechts-
kardiometabolischen Risikofaktoren treten des Diabetes verloren, sodass spezifischer Unterschiede bei
Hypertonie Frauen ein deutlich höheres relatives kardio metabolischen Erkrankungen
Die arterielle Hypertonie ist ein zentra Risiko für koronare Herzkrankheit und Hormonelle Regulation und
ler kardiometabolischer Risikofaktor Schlaganfall aufweisen [8, 9] . Dies dürf Renin-Angiotensin-System
mit ausgeprägten geschlechts und al te auf eine Kombination aus hormonel Obwohl zahlreiche Daten zu ge
tersabhängigen Mustern . Männer sind len Einflüssen, stärkerer Komorbiditäts schlechtsspezifischen Unterschieden
in jüngeren Jahren häufiger betroffen, last und Unterschieden in Therapie und bei kardiometabolischen Erkrankungen
während die Prävalenz im Alter bei Adhärenz zurückzuführen sein [10, 11] . vorliegen, ist das mechanistische Ver
ständnis weiterhin begrenzt . Zentrale
* Dieser Beitrag beruht auf einer Ringvor Geschlechtsunterschiede bei Unterschiede betreffen hormonelle Sig
lesung für Geschlechtersensible Medizin, kardiometabolischen Erkrankungen nalwege, den kardialen Energiestoff
die 2024 im Rahmen des Modellstudien Ischämische Herzkrankheit wechsel sowie inflammatorische und
gangs MEDiC entwickelt wurde . Die Die ischämische Herzkrankheit mani fibrotische Prozesse . Sexualhormone
Ringvorlesung will für das Thema festiert sich geschlechtsspezifisch un greifen dabei direkt in kardiale Zell
sensibilisieren und Anregungen geben, terschiedlich . Frauen weisen häufiger funktionen ein: Östrogene fördern pro
über die Relevanz von Geschlechterfor eine nichtobstruktive koronare Herz tektive, antioxidative und vasodilatato
schung in der Medizin zu diskutieren . krankheit (KHK) und mikrovaskuläre rische Signalwege, während Androgene
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