Page 36 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
P. 36
LESERBRIEFE
Sportkardiologie im Kontext
der SARS-CoV-2-Pandemie
Leserbrief zu „Ärzteblatt“ Sachsen Heft 3/2026 (gekürzt)
Seit 50 Jahren wissen wir, dass Virus Vor diesem Hintergrund führen wir ak eine subjektiv nicht erklärbare Belas
erkrankungen eine Herzmuskelbetei tuell am Universitätsklinikum Leipzig tungsintoleranz, typischerweise im
ligung auslösen können . Der Kollege eine durch Drittmittel der Deutsche Verlauf von etwa vier bis sechs Wochen
konnte dies auch für COVIDPatienten Herzstiftung geförderte Studie durch, nach Infekt . In diesen Fällen erfolgt ei
nachweisen . Deshalb empfiehlt er ein um den Einfluss akuter Atemwegs ne weiterführende kardiologische Dia
individuelles Aufbauprogramm für infektionen auf die kardiopulmonale gnostik entsprechend der klinischen
Sportler, aber auch andere Patienten, Funktion systematisch zu untersuchen . Einschätzung .
zur Wiederherstellung der vollen Leis Ziel ist es, belastbare Aussagen zu Grö
tung . Soweit so gut . ßenordnung, Dauer und klinischer Be Aktuell beziehen sich unsere Untersu
ABER: kein Wort darüber, um wie viel deutung funktioneller Veränderungen chungen ausschließlich auf Sportlerin
Prozent die Leistung sinkt . Ist diese zu ermöglichen . nen und Sportler – sowohl im Freizeit
Leistungssenkung bei COVID höher als als auch im Leistungssport –, die einer
bei Virusgrippe? Welche Symptome Die von Ihnen angesprochenen Punkte – regelmäßigen Trainings und Wett
sind Warnzeichen? Wen sollte man un etwa die Höhe des Leistungsabfalls, kampfbelastung unterliegen . Für ande
tersuchen? Und nebenbei gesagt: Alle der Vergleich zu anderen Virusinfektio re Patientengruppen ist die Datenlage
Leistungssportler haben einen indivi nen (unter anderem Influenza) sowie deutlich eingeschränkt . Insbesondere
duellen Trainingsplan, egal ob gesund klinische Warnzeichen – sind Gegen bleibt der Einfluss akuter Atemwegsin
oder krank . Und dies schon seit Jahr stand aktueller Forschung, bislang je fektionen auf die Skelettmuskulatur
zehnten . doch nicht abschließend evidenzbasiert und deren Beitrag zur Leistungsreduk
beantwortbar . tion weiterhin unzureichend verstan
Dr . med . Andreas Herzfeld, Leipzig den . Insofern besteht hier weiterhin
Zur klinischen Einordnung erfolgt bei eine „Blackbox“, die durch zukünftige
uns in der Sportkardiologie ein struktu Studien adressiert werden muss .
Antwort riertes diagnostisches Vorgehen bei
Sportlern: Initial wird eine Basisdiag Bezüglich des Trainingsaspekts ist die
Sehr geehrter Herr Kollege, nostik bestehend aus RuheEKG, labor Individualisierung im Leistungssport
Sie haben vollkommen recht, dass vira chemischen Markern (insbesondere selbstverständlich seit langem etab
le Infektionen seit Jahrzehnten als po Troponin T, NTproBNP) sowie transtho liert . Unser Ansatz zielt darauf ab zu
tenzielle Ursache einer Myokardbeteili rakaler Echokardiografie durchgeführt . zeigen, dass ein solches „tailored
gung bekannt sind . Allerdings besteht Bei unauffälligen Befunden erfolgt er exercise“Konzept auch in der klini
weiterhin eine relevante Evidenzlücke gänzend eine spiroergometrische Un schen Versorgung sinnvoll ist, um Be
hinsichtlich der Frage, in welchem Aus tersuchung zur objektiven Erfassung lastung und Training nach Infektionen
maß akute Atemwegsinfektionen – jen möglicher funktioneller Einschränkungen . strukturiert und individuell zu steuern .
seits klar definierter Myokarditiden –
funktionelle Einschränkungen des kar Die Indikationsstellung orientiert sich Priv .Doz . Dr . med . Dr . phil . habil . Sven Fikenzer .
M .Sc ., Leipzig
diopulmonalen Systems verursachen . dabei konsequent an der klinischen
Dies betrifft insbesondere die Quantifi Symptomatik . Relevante Hinweise sind
zierung von Leistungsabfällen sowie insbesondere eine persistierende oder
deren zeitlichen Verlauf und klinische neu aufgetretene Leistungsminderung,
Relevanz . verlängerte Regenerationszeiten sowie
36 Ärzteblatt Sachsen 6|2026

