Page 34 - Ärzteblatt Sachsen, Juni 2026
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ORIGINALIE




        kontextabhängig prohypertensive, pro­
        inflammatorische und profibrotische
        Mechanismen verstärken . Zudem mo­
        dulieren sie das Renin­Angiotensin­
        System (RAS), die sympathische Akti­
        vierung und die Natriumrückresorption
        und tragen so zu geschlechtsspezifi­
        schen hämodynamischen Belastungs­
        mustern bei [17, 18] .
        Im Kontext der Hypertonie zeigt sich
        eine geschlechtsspezifisch unterschied­
        liche  Aktivierung  des  Renin­Angioten­
        sin­Systems (RAS): Während bei Män­
        nern die ACE/Angiotensin­II/AT₁­Rezep­
        tor­Achse  mit  vasokonstriktorischen,
        proinflammatorischen  und  profibroti­
        schen Effekten dominiert, ist bei  Frauen
        verstärkt die ACE2/Angiotensin­(1–7)/
        Mas­Achse aktiv, die vasodilatatorisch
        und protektiv wirkt . Zusätzlich ist die   Abb . 1: Charakteristika kardiometabolischer Erkrankungen bei Frauen und Männern .
                                            a . Schematische Darstellung der HFpEF – Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion
        Expression des AT₂­Rezep tors bei Frau­  b . Schematische Darstellung der HFrEF – Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion
        en höher, wodurch antihypertrophe,   c . Nicht­obstruktive KHK – koronare Herzkrankheit
                                            d . Obstruktive KHK – koronare Herzkrankheit
        antifibrotische und vasodilatatorische
        Signalwege weiter begünstigt werden .  oxidativen Stress [19, 20] . Männliche  lichem Gewebe wirken Östrogene die­
        Östrogene fördern die ACE2­Expres­ Herzen zeigen dagegen eine stärkere  sen Prozessen entgegen . Estradiol re­
        sion,  hemmen  AT₁­ver  mit telte  Signal­ Herunterregulation energie­ und lipid­ guliert die Kollagensynthese in kardia­
        wege und modulieren zugleich die AT₂­ stoffwechselrelevanter  Gene .  Zusätz­ len Fibroblasten geschlechtsspezifisch:
        Rezeptoraktivität, sodass Gefäßtonus,  lich wird bei weiblichen Herzen unter  In weiblichen Zellen wird sie gehemmt,
        Entzündungsprozesse  und  strukturel­ Druckbelastung eine peroxisomenab­ in männlichen stimuliert . Diese Effekte
        les  Remodeling  geschlechtsspezifisch  hängige Fettsäureoxidation aktiviert,  beruhen unter anderem auf unter­
        reguliert werden [17, 18] .         die  zur  Stabilisierung  der  Energiever­ schiedlicher Phosphorylierung von ERα
                                            sorgung beiträgt [21, 22] . Der LDL­Re­ und ERβ sowie einer sexuell dimorphen
        Mitochondriale Funktion und         zeptor­Regulator MYLIP wird nach Est­ Bindung an Kollagenpromotoren . Auch
        kardialer Energiestoffwechsel       radiolexposition selektiv im männli­ microRNA­abhängige  Mechanismen
        Auf kardialer Ebene zeigen sich deutli­ chen Myokard induziert und ist mit  sind beteiligt und beeinflussen mito­
        che Unterschiede in mitochondrialer  verminderter  Kontraktilität  assoziiert,  chondriale  Funktionen  und  hypertro­
        Funktion und Energiestoffwechsel .  was auf eine Verknüpfung von Lipid­ phes Remodeling . Insgesamt begünsti­
        Weibliche Herzen erhalten unter Druck­ stoffwechsel und kardialer Funktion  gen  diese Prozesse bei Frauen eher
        belastung oder Ischämie die mitochon­ hinweist [23, 24] .               diastolische Dysfunktion (HFpEF), wäh­
        driale Atmung besser aufrecht, beglei­                                  rend bei Männern systolische Funkti­
        tet von erhöhter Expression von At­ Fibrotisches Remodeling und         onsstörungen (HFrEF) überwiegen [25] .
        mungskettenproteinen, Citratzyklusen­ strukturelle Anpassung
        zymen und antioxidativen Systemen  Diese metabolischen Unterschiede ge­ Inflammation als
        [17, 18] . Östrogenrezeptoren können  hen in unterschiedliche Formen des  integrativer Mechanismus
        direkt an mitochondriale DNA binden  kardialen Remodelings über . Männli­ Ein zentraler, verbindender Mechanis­
        und die Expression mitochondrienko­ ches Myokard aktiviert unter Druck­ mus geschlechtsspezifischer Unter­
        dierter Gene regulieren; zugleich stei­ belastung  stärker  profibrotische  und  schiede ist die Inflammation . Die soge­
        gern Östrogene die Aktivität von Gluta­ RAS­abhängige Signalwege, was zu  nannte  Metaflammation beschreibt
        thionperoxidase und mitochondrialer  vermehrter Kollageneinlagerung und  einen chronisch niedriggradigen Ent­
        Superoxiddismutase und begrenzen so  struktureller Versteifung führt . In weib­ zündungszustand, der früh durch kalo­


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