Page 6 - Ärzteblatt Sachsen, Februar-Ausgabe 2024
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GESUNDHEITSPOLITIK




        gewählt, die die Vorteile und Chancen
        der Digitalisierung in der Me  dizin in den
        Fokus  stellt.  In  der  Impulsveranstal-
        tung  am  24.  November  2023  wollten
        wir  mit  Best  Practice-Beispielen  von
        ärztlichen  Kolleginnen  und  Kollegen
        unter  dem  Motto  „Wo  Digitales  jetzt
        schon  hilft“  praktische  Anwendungen
        aufzeigen, die den Arbeitsalltag für den
        Arzt  erleichtern,  aber  natürlich  auch
        Patienten zu Gute kommen.
        Gestartet  wurde  gleich  mit  der  Kür:
        Prof.  Dr.  med.  Jakob  Nikolas  Kather,
        Facharzt für Innere Medizin und Leiter
        des Else Kröner Fresenius Zentrums für                                                                  © rancz/AdobeStock
        Digitale  Gesundheit  der  Technischen
        Universität Dresden, führte mit seinem
        Impulsvortrag „Wo Digitales jetzt schon
        hilft“  in  das  Thema  ein.  Mit  beeindru- Manches Beispiel in der Bildgebung war  tale  Instrumente  von  Anwendern  vor-
        ckenden  Beispielen  brachte  er  auch  plausibel und gut vorstellbar. Schon die  gestellt:
        Digital-Laien  nahe,  wie  stark  sich  die  Präsentation einer Software zur Echt- •  Die Kolleginnen Dr. med. Kirsten
        ärztliche Tätigkeit und unser Selbstver- zeittypisierung von Kolonpolypen wäh-  Schubert-Fuchs, Oberlungwitz, und
        ständnis  in  den  nächsten  Jahren  än - rend der Koloskopie zeigte eindrücklich   Catherine Werner, Chemnitz, stellten
        dern werden. Prof. Kather stellte plas- die Chancen, die KI perspektivisch bie-  ihre Videosprechstunden, ihr E-Rezept
        tisch vor, dass künstliche Intelligenz (KI)  tet, und zwar wesentlich schneller, als   und die das gesamte Team entlas-
        an Millionen Parametern schneller und  es sich mancher vorstellen kann (oder   tende online-Termin vergabe vor.
        vertiefter lernen kann, als es Menschen  will).  Die  Evidenz  zum  Einsatz  von  KI  •  Andreas Bauer, Chemnitz, führte
        während ihrer gesamten Arztlaufbahn  kann  schon  jetzt  in  etlichen  Anwen-  durch seine vollständig digitale
        möglich ist. Denn die Vielfalt der Para- dungen nachweisen, dass sie der ärzt-  Praxis einschließlich Anwendung
        meter (Bilder, Laborwerte, Genanalysen,  lichen Expertise nicht nur gleichwertig,   von Kommunikation im Medizinwe-
        sensorische Befunde und vieles mehr)  sondern oft überlegen ist.         sen (KIM), womit eine datensichere
        und der inzwischen oft fragmentierte  Prof.  Kather  schloss  mit  einigen  ver-  Kommunikation garantiert ist.
        Untersuchungsprozess  sind  eine  Her- blüffenden Beispielen zur Generierung  •  Dr. Barbara Höffgen, Bundesinstitut
        kulesaufgabe,  die  für  einen  einzelnen  von Diagnosen und sogar Therapievor-  für Arzneimittel und Medizinpro-
        Arzt einfach nicht mehr zu bewältigen  schlägen  durch  ChatGPT.  Erst  seit   dukte (BfArM) Bonn, war digital
        ist. Hier kann KI schon jetzt dem Ein- einem Jahr auf dem Markt, ist die Ent-  zugeschaltet und stellte die Welt
        zelnen das Leben erleichtern.       wicklung unglaublich dynamisch. Schon    der DIGAs vor.
                                            bald  werden  wir  Systeme  haben,  die  •  Prof. Dr. med. habil. Christoph
        Eine  Vielzahl  von  konkreten  Anwen- unterschiedlichste  Datentypen  verste-  Lübbert stellte eine App der Univer-
        dungsbeispielen wurden vorgestellt: Be - hen  können  und  die  über  das  gespro-  sität Leipzig zur evidenzbasierten
           wertung von histologischen Schnitten  chene Wort mit uns kommunizieren. KI   Antibiotikatherapie vor, die nicht nur
        in  der  Pathologie,  von  Mammografie- wird unsere ganze Gesellschaft verän-  nachgewiesenermaßen zu erhebli-
        aufnahmen,  Analyse  unstrukturierter  dern,  und  zwar  seiner  Meinung  nach   chen Einsparungen in der Klinik
        Textdateien,  aber  auch  komplexe  Pro- zum Guten. Kritisch sieht er allerdings,   geführt hat, sondern vor allem die
        grammierungen,  die  anhand  verschie- dass Deutschland in der Digitalisierung   Entwicklung resistenter Bakterien-
        denster  individueller  Daten  Prognose- des medizinischen Arbeitsalltags inter-  stämme eindämmen konnte. Viele
        algorithmen  erstellen.  Gerade  in  der  national weit zurückliegt.     Teilnehmer installierten die extrem
        Onkologie sind solche Algorithmen zur                                    anwenderfreundliche App noch
        Einstellung individueller Therapien ext- Im  Anschluss  an  diesen  visionären   während der Veranstaltung auf
        rem hilfreich.                      Impulsvortrag  wurden  konkrete  digi-   ihre Handys.


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