Page 34 - Ärzteblatt Sachsen, Februar-Ausgabe 2024
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PERSONALIA
Nachruf für Dr. med. Volker Thierbach
* 13. Januar 1930 † 2. Oktober 2023
Am 2. Oktober 2023 verstarb im 94. hohe Alter war er regelmäßiger Teilneh-
Lebensjahr Dr. med. Volker Thierbach, mer auf den Jahreskongressen der
langjähriger Direktor des Bezirksinsti- Deutschen Gesellschaft für Transfusi-
tuts für Blutspende- und Transfusions- onsmedizin und Immunhämatologie.
wesen Leipzig und des Instituts für
Transfusionsmedizin der Universität Volker Thierbach spendete mehr als
Leipzig. zweihundertmal Blut und engagierte
sich als Mitgründer und 1. Vorsitzender
Volker Thierbach wurde am 13. Januar des Vereins für Knochenmark- und
1930 als ältestes von vier Geschwistern Stammzellspende e. V. und des Leipzi-
in Leipzig geboren. Nach dem Studium ger Fördervereins für Blutspenden in
der Medizin in Leipzig folgte die inter- vorbildlicher Weise für das Allgemein-
nistische Facharztausbildung. Zeit sei- wohl. Er war medizinhistorisch interes-
nes Lebens begeisterte er sich für siert und engagiert. Im Jahr 1993 fand
Sport. So begleitete er 1964 als medizi- auf seine Initiative ein nationales Sym-
nischer Betreuer die Mannschaft der © C. Thierbach posium anlässlich des 60. Gründungs-
DDR zu den Olympischen Winterspielen jahrs des Leipziger Blutspendernach-
nach Innsbruck, segelte auf der Kieler Dr. med. Volker Thierbach weises statt, einer der drei ersten Blut-
Woche, bestieg unter anderem zweimal spenderdateien in Deutschland. Bei-
den Elbrus und kletterte regelmäßig im spielhaft für seine kulturellen Interes-
Elbsandsteingebirge. plantationsmedizin. An der Seite von sen sei erwähnt, dass er viele Jahre
Prof. Dr. med. Werner Helbig, dem Lei- dem Freundeskreis des Schauspielhau-
Seine Willensstärke half ihm dabei, ter der Abteilung für Hämatologie/ ses Leipzig angehörte und zur Sanie-
wichtige Lebensentscheidungen zu tref- Onkologie an der Medizinischen Klinik rung des Gebäudes beigetragen hat, in
fen. Er entschied sich gegen eine Karri- der Universität Leipzig, leisteten Thier- dem er eine Stuhlpatenschaft (Reihe 13,
ere als Sportmediziner, die mit einer bach und seine Mitarbeiter Pionierar- Platz 13) übernahm. Er begleitete das
Mitgliedschaft in der SED verbunden ge - beit auf dem Gebiet der Gewinnung, Akademische Orchester Leipzig auf sei-
wesen wäre. Mit Etablierung des Blut- Aufarbeitung und Kryokonservierung ner ersten Bulgarien-Reise, dem er sich
spende- und Transfusionswesens in der von Knochenmark in der DDR. In kolle- auf besondere Weise verbunden fühlte.
DDR ab 1958 verlagerte sich sein Ar - gialer Zusammenarbeit wurden zudem
beitsschwerpunkt und er wurde 1963 die Voraussetzungen für die ab 1980 Volker Thierbach war kein Mann großer
Direktor des neu gegründeten Bezirks- durchgeführten Transplantationen und Worte, sondern ein Macher im klassi-
instituts für Blutspende- und Transfu- eine feinabgestimmte supportive Hämo- schen Sinne und immer dem Leben
sionswesen in Leipzig. Mit großem Ge - therapie geschaffen. zugewandt. Allen, die daran teilnahmen,
schick gelang es ihm, junge Ärzte und werden die Feiern anlässlich seiner
Naturwissenschaftler an das Institut Nach der friedlichen Revolution 1989 runden Geburtstage im Aquarium des
zu binden, die Volker Thierbach für sei ne führte Thierbach das Institut erfolg- Leipziger Zoos in besonderer Erinne-
.
ideologische Unabhängigkeit schätz ten reich durch stürmische Wendezeiten. rung bleiben. Als Arzt und Humanist
1991 fusionierten Bezirksinstitut für hat er sich um die Transfusionsmedizin
1966 wurde unter seiner Leitung eine Blutspende und Transfusionswesen verdient gemacht. Wir trauern um
der drei Gewebebanken der DDR aufge- und die Abteilung Tranfusionsmedizin einen besonderen Menschen.
baut, 1974 ein HLA-Labor. In der Folge zum Institut für Transfusionsmedizin
dieser richtungsweisenden Entschei- der Universität Leipzig, welches er 1995 Verfasst von Dr. med. Jörg Leupold und
dungen entstand eine enge und über- an seinen Nachfolger übergab. Es folg- Prof. Dr. med. habil. Reinhard Henschler unter
Mitwirkung von Dr. med. Roland Beltzig,
aus erfolgreiche Zusammenarbeit zwi- ten noch mehr als zehn Jahre berufli- Dr. md. Elvira Edel, Dr. med. Brunhilde Haustein
schen Transfusionsmedizin und Trans- cher Tätigkeit im Fachgebiet. Bis ins und Dr. med. Michael Woetzel.
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